Konzert „Saitenklänge“ in der Christuskirche
Schweinfurter Tagblatt, 26.03.2014, Bericht Lorenz Schmidt

Eine feine Klangwolke senkte sich zu Beginn mit dem Stück „Canarios“ des Renaissancekomponisten Fabrizio Caroso in der Christuskirche nieder. Aus heutiger Sicht waren es sphärisch silbrige Klänge eines Hackbretts. Zu früheren Zeiten nannte sich das Instrument Psaltérion, das Ralf Mattes mit galanter Schlegelführung bediente.

Anschließend unterstützte er den Lautenisten Christian Zimmermann bei drei Lautenduetten aus Shakespeares Zeit. Die typischen Variations- und Tanzsätze von Robinson und Johnson waren nuanciert modelliert und vermittelten den hohen Rang jener Hausmusik dieser Zeit.

Weiter ging es im Programm mit typisch spanischer Musik des 17. Jahrhunderts für die Barockgitarre. Ihr fehlt noch die sechste Saite der modernen Gitarre und sie ist, wie alle Lauten und anderen Zupfinstrumente damals, mit Doppelsaiten bespannt. Schwungvolle Rasgueado-Schläge bestimmten den Reiz von Tänzen wie „Tarantellas“ oder „Danzas de las Hachas“ von Santiago de Murcia oder Lucas Ruiz de Ribayaz. Für das profunde Bassfundament dieser Stücke sorgte diesmal Ralf Mattes am Chitarrone mit seinen meterlangen, frei schwingenden Basssaiten. Als exotische Insel zwischen der originalen Zupfmusik diente der neckische Fandango von Gluck aus der Oper Don Juan, wunderbar leichtfüßig serviert.

Ein Potpourri über das Harmonieschema Folies d’Espagne mit Variationen diverser Barockkomponisten rundete diesen Block ab.

Nach der Ciaconne des Barocklautenisten Sylvius Leopold Weiss war man im galanten Zeitalter angekommen, die Sonata von Robert Valentine hatte in den langsamen Sätzen schon empfindsame Züge, die beide Interpreten in treffender Übereinstimmung zart in Szene setzten.

Virtuoses Hackbrettspiel boten dann noch die Originalstücke von Carlo Monza und Melchior Chiesa am Ende des unterhaltsamen Programms. Auch lange nach dem Ende des Konzerts waren die vielen seltenen Zupfinstrumente von vielen Zuhörern umlagert und beide Interpreten gaben noch fachkundige Erläuterungen zur Spielpraxis in Renaissance und Barock. Das Konzert war ein toller Mosaikstein in der langen Tradition der „Saitenklänge“.

© 2014 Christuskirche Schweinfurt - Tel. 09721 - 4 11 01
Oben
Impressum    Datenschutzerklärung    Folge uns: