Schweinfurter Tagblatt am 15.11.2013 – Synode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt: Gemeinden vor schwierigen Aufgaben

Synode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt: Gemeinden vor schwierigen Aufgaben

Bevölkerungsrückgang, weniger Geld, Strukturen, die an ganz andere Verhältnisse angepasst sind, ein Gefälle zwischen Stadt und Land: Themen, die die große Politik beschäftigen – aber auch die Kirchen, ganz speziell das Dekanat Schweinfurt mit seinen 27 Gemeinden, den Werken und Diensten. „Wie machen wir weiter?“, darum ging es bei der Dekanatssynode. Es geht darum, Wege zu finden, wie die einzelnen Teile zusammenarbeiten können, auszuloten, wo man hin will. Und auch darum, zu schauen, wo man steht, und wo es gut läuft.

Die Pfarrer stehen öfter am Kirchhof als am Taufstein, sagt Dekan Oliver Bruckmann, der zusammen mit Siegfried Bergler bei einem Gespräch über die Synode informierte. In den Jahren 2005 bis 2011 hat das Dekanat 3000 Gläubige verloren. Den Großteil durch Umzug, Tod, 1000 Gläubige sind aus der Kirche ausgetreten. Ein Skandal ,wie ihn die katholische Kirche mit Tebartz van Elst hat, schadet auch der evangelischen Kirche, sagt Bruckmann. Auch deswegen gibt es Austritte aus der Evangelischen Kirche. „Die Leute differenzieren da nicht, wir werden gemeinsam wahrgenommen.“ „Gegen die Austritte können wir was tun“, meint Bruckmann. Zum Beispiel, in dem die Gemeinden versuchen, mehr Verbundenheit mit den Menschen herzustellen, ihnen eine Heimat bieten. Schließlich ist die Sehnsucht nach Spiritualität groß bei den Menschen. Und selbst den Ausgetretenen bedeuten die so genannten Kasualien (Taufen, Beerdigungen zum Beispiel) immer noch viel.

Wie bei jeder größeren Einheit, die mit Veränderungen zu tun hat, kommt auch bei der Kirche das Schlagwort Synergie. Viel klappt da schon, sagen Bruckmann und Bergler. Predigttausch, gemeinsame Kinderbibeltage, zum Beispiel. Vieles klappt aber nur deswegen so gut, weil es klare Ansprechpartner gibt. „Es muss Leute geben, die erreichbar sind“, ist für Bruckmann ein ganz wichtiger Punkt. In den Prozess der Dekanatsentwicklung ist auch ein professioneller Berater der Gemeindeakademie Rummelsberg eingebunden. Auch davon verspricht sich das Dekanat Impulse in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam vor Ort. Und auch Anregungen zu Themen, bei denen man eher an Politik denkt. „Wie sieht Altwerden auf dem Dorf aus?“ Hier könnten die Kirchengemeinden, Ehrenamtliche oder auch die Diakonie aktiv werden.

Fragt man Oliver Bruckmann, wie er sich das Dekanat in zehn Jahren vorstellt, muss er nicht lange überlegen. „Die Gemeinden gibt es noch, aber sie sind kleiner, älter und ärmer. Nicht alle Angebote gibt es mehr überall – aber es gibt sie.“

Da kommt Bruckmann gleich auf einen anderen Punkt: Die Schwierigkeit, einen Pfarrer zu finden, der eine Landstelle haben will. Die Pfarrer-Familien haben die gleichen Fragen wie andere auch: „Gibt’s eine Schule, einen Supermarkt im Ort, einen passenden Job für den Mann/die Frau?“ Das ist oft nicht einfach, sagt Bruckmann, viele wollen in die Ballungszentren. Eines seiner Ziele ist es, einen Pfarrer ins Pfarrhaus nach Zell zu holen. „Da muss jemand wohnen“, sagt er. Weil das gut für die Gemeinde sei – und weil man schließlich deswegen das alte Haus so aufwändig saniert hat. Ein Pfarrhaus bekommt ab 1. Januar einen neuen Bewohner: Wolfgang Weich wird der Nachfolger von Pfarrer Schewe an der Christuskirche in Schweinfurt. Weich war vorher in Poppenlauer, da ist dann jetzt erstmal eine Vakanz. Im Zusammenhang mit der Zukunft der Kirche, des Dekanats, ist bei der Synode ein Satz gefallen, der Bruckmann und Bergler beeindruckt hat: „Gott beruft nicht Qualifizierte, er qualifiziert Berufene.“ Auch, weil der vorkommt, um den es eigentlich geht, das sollte in der ganzen Entwicklung und Planung nicht vergessen werden: „Gott erhält die Kirche“, sagen beide zuversichtlich.

Bericht Schweinfurter Tagblatt, 15.11.2013, von Susanne Wiedemann

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