Schweinfurter Tagblatt vom 18.03.2013

Manfred Schmidt, Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge beim Special-Gottesdienst

Warum sehen wir Einwanderer als Defizit, nicht als Potenzial? Warum sagt jemand, der in die USA einwandert, nach ein paar Wochen „ich bin Amerikaner“ und nicht nach ein paar Wochen hier „Ich bin ein Deutscher?“ Manfred Schmidt, Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, (BFM) machte sich bei seiner Stammbuchpredigt in der Christuskirche Gedanken zum Thema Migration und Integration. Und zu der Art, wie wir hier mit den Menschen umgehen, die zu uns kommen, aus welchen Gründen auch immer.

Manfred Schmidt setzt Gesetze und Verwaltungsakte mit seiner Behörde um, hat klare Regeln, wie er, die Mitarbeiter, in einem bestimmten Fall handeln müssen. Trotzdem versucht er, Menschen als Menschen zu sehen, das imponiert Pfarrer Martin Schewe, deswegen hat er ihn eingeladen zum Sonntagsspecial. Schewe und sein Special-Team haben Zahlen zusammengetragen zum Komplex Asyl/Migration, erläutern Statistiken. Sie lassen aber auch Menschen zu Wort kommen, wie Enaiat, von dessen Schicksal, der Flucht aus Afghanistan Fabio Geda in seinem Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ erzählt. Enaiat erzählt, wie die Taliban seinen Lehrer erschossen haben, weil Schulen nicht mehr gebraucht werden. Das ging unter die Haut.

„Wir sind schon längst ein Einwanderungsland“, sagt Schmidt. 20 Prozent der Bürger in Deutschland haben Migrationshintergrund. Deswegen geht es darum, „gemeinsam, unser Land zu gestalten“. Und dabei sollte es keine Rolle spielen, woher jemand kommt, woran er glaubt oder wie er heißt. „Solange verschenken wir Potenzial.“ „Und warum folgern wir aus dem Nachnamen auf die Qualifikation?“, fragt er. Schmidt erzählt von seiner Referentin, die eine türkischen Nachnamen hat, in Deutschland geboren wurde, ein Kopftuch trägt und erstmal grundsätzlich ihre Qualifikation erklären muss und ständig gefragt wird, warum sie so gut Deutsch kann.

Manfred Schmidt vermisst vor allem eines in Deutschland: Willkommenskultur. „Warum sind wir so arrogant, zu glauben, alle wollen zu uns nach Deutschland“, fragt er, Stichwort Fachkräftemangel. „Weil es im März 3,5 Grad hat, wir eine offene Kultur haben, Nachbarn begrüßen?“ Schmidt geht auch auf das Thema Asyl ein. Die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Gründen. 30 Prozent der Anträge wurden anerkannt im vergangenen Jahr, 70 Prozent der Menschen können nicht bleiben. Natürlich versuchen auch Menschen, vor wirtschaftlicher Not zu fliehen. Sie bekommen kein Asyl, fallen nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention. Schmidt versucht aber, auch ihnen mit Empathie zu begegnen: „Keiner verlässt sein Land ohne Grund.“

Schmidt begrüßt es sehr, dass es jetzt in Bayern Deutschkurse für Asylbewerber geben soll. „Das brauchen wir, die Leute leben unter uns.“ Auch wenn die Flüchtlinge nicht bleiben, in ihre Heimat zurückgehen müssen, dann nehmen sie etwas mit: „Wie wir mit Ihnen umgegangen sind.“

Artikel: SG / Foto: BFM

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